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WIR in Neunkirchen

Interview mit Oberbürgermeister Jürgen Fried, Teil 2

Städtische Galerie im KULT. Kulturzentrum Neunkirchen | Foto: J. Weyland

Neunkirchens Agenda für das Jahr 2016 ist vielfältig und wird von wichtigen Rahmenbedingungen geprägt. Anlass genug für ein Interview der Stadtnachrichten mit Oberbürgermeister Jürgen Fried. Im zweiten Teil geht es um die Schaffung eines "Wir-Gefühls" in Neunkirchen.

Herr Fried, Sie benennen den Einsatz für das Gemeinwohl als eine der vornehmsten Aufgaben der bürgerlichen Gesellschaft. Warum ist das so?

OB: Natürlich gibt es viele Menschen, die ihr Verhalten nur an ihren ganz nahe liegenden persönlichen Interessen orientieren und für weiterreichende Entwicklungschancen ihrer Stadt keinen Blick und noch nicht mal ein offenes Ohr haben und dies auf Facebook & Co. sogar fast stolz kommunizieren. Davon dürfen sich die Verantwortlichen aber nicht beirren lassen. Denn das Wohl der Allgemeinheit hängt natürlich auch mit der richtigen und erfolgreichen Entwicklung einer Stadt im gesellschaftlichen, kulturellen und städtebaulichen Bereich zusammen. Würde sich die Stadtpolitik nur an den Interessen des auf sich bezogenen Bürgers orientieren, das heißt auf die reine tägliche Daseinsvorsorge, gäbe es gerade keine Stadtentwicklung.

Was bedeutet dies für Neunkirchen?

OB: Es gäbe vielleicht die Neue Gebläsehalle nicht, nicht das neue Kulturzentrum KULT, noch möglicherweise den Ausbau der Bliesterrassen. Eventuell gäbe es auch kein notwendiges Geschäftshotel oder auch keine Fachhochschule in Neunkirchen. Dies sind aber Beispiele für wichtige Infrastrukturmaßnahmen, die für die Zukunft einer Stadt von großer Bedeutung sind und damit auch für das Wohl aller Bürgerinnen und Bürger.

Sie sprechen dabei immer wieder vom "Ideal des Bürgertum" und der Stadt als "Ort des Wir-Gedanken".

OB: Dieses Ideal des Bürgertums schließt andere ein, nicht aus und tritt für den öffentlichen Raum ein. Der so verstandene Bürger denkt nicht in erster Linie daran, was er selbst möchte, sondern er fragt sich, was der Gemeinschaft gut tut, in der er lebt und deren soziale Güter er teilt. Diese Sorge um die Gemeinschaft entwickelt sich, weil die Bürger erkennen und verstehen, dass ihre Interessen mit den Gemeinschaftsinteressen verwoben sind. Dieser Begriff des "Bürgers" beinhaltet, dass man seinen Interessensbereich auf andere ausdehnt und entdeckt, was man mit anderen gemeinsam hat. Insofern sind Städte, somit auch Neunkirchen, Orte, wo der "Wir-Gedanke" kultiviert wird.

Und wer sollte in Neunkirchen diesen "Wir-Gedanken kultivieren"?

OB: Das sind die Menschen in unserer Stadt, die eine Schrittmacherrolle aktiv ausfüllen. Diese zeigen mit ihrem Einsatz in Vereinen und Institutionen und ihren Leistungen für Neunkirchen und seine Menschen, dass der "Wir-Gedanke" in unserer und für unsere Stadt möglich ist. Deshalb kündige ich an, dass wir, um noch mehr "Wir-Bürger" zu finden, die stadtentwicklungspolitischen Notwendigkeiten und Maßnahmen im Laufe des Jahres verstärkt in der Bevölkerung kommunizieren werden.

Kommunikation als Mittel, damit mehr Bürger über ihren privaten Tellerrand hinaus blicken, Kann man das so sagen?

OB: Ja, das kann man so sagen. Wir brauchen, wollen und wünschen uns mehr Bürger als Schrittmacher und als Multiplikatoren. Nur so können wir den "Wir-Gedanken" in Neunkirchen kultivieren.

Herr Fried, vielen Dank für das Gespräch.


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