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Kultur trifft Stadtentwicklung

Interview mit Oberbürgermeister Jürgen Fried - Teil 1

OB Jürgen Fried trägt in der Elbphilharmonie vor. | Foto: Stiftung „Lebendige Stadt“

Der Einsatz von Kultur gilt in Neunkirchen als treibende Kraft in der Stadtentwicklung. Diese Ausrichtung findet sogar bundesweit Beachtung. Jüngstes Beispiel ist der Bundeskongress der „Stiftung Lebendige Stadt“ in Hamburg, der unter dem Motto „Kultur trifft Stadtentwicklung“ stand. In einem prägnanten Vortrag hat Oberbürgermeister Jürgen Fried den Teilnehmern Neunkirchen als eine Stadt präsentiert, die auf Kultur als treibende Kraft in der Stadtentwicklung setzt. Anlass für die Stadtnachrichten, mit dem Oberbürgermeister darüber ein Gespräch zu führen.

Herr Fried, warum setzt eine Stadt wie Neunkirchen bei der Stadtentwicklung auf Kultur? Ein Weg, der beim Kongress in Hamburg ja positiven Anklang gefunden hat.

Jürgen Fried: Ja, unserem Kultur-Weg wurde in Hamburg durchaus Vorbild-Charakter zugesprochen. Dies hängt auch mit unserer Ausgangslage zusammen, denn Neunkirchen ist eine Stadt im Strukturwandel. Die Montanindustrie war über Jahrhunderte der prägende Faktor der Stadtentwicklung. Während der Montankrise verloren viele Menschen ihre Arbeit und ihr Zentrum, vor allen Dingen ihre Identität, denn in den Köpfen der Menschen war Neunkirchen gleich Neunkircher Eisenwerk. In der Folge ging es darum einerseits die 93 ha Industriebrache zu revitalisieren und andererseits brauchte die Stadt im Selbstbild, wie auch im Fremdbild ein neues Image. Der sogenannte äußere Wandel der Stadt, nämlich die Revitalisierung der Industriebrache ging ja bekanntermaßen recht schnell. Viel länger dauert jedoch der so genannte innere Wandel.

Wie ist das zu verstehen?

Jürgen Fried: Dieser innere Wandel beinhaltet zum einen die Imagebildung nach außen und vor allen Dingen die Mentalitätsänderung bei den eigenen Bürgerinnen und Bürgern. Und um diesen inneren Teil des Strukturwandels zu erreichen, setzen wir auch auf den Kultur- und Kreativbereich. Dabei wurde der im Jahre 2010 vom Stadtrat verabschiedete Kulturentwicklungsplan gewissermaßen die Handlungsmaxime.

Herr Fried, „Wandel durch Kultur - Kultur durch Wandel“. Dieses Postulat von Karl Ernst Osthaus kennen Sie sicher. Es basiert auf der Überzeugung, dass Kultur und Kunst einen entscheidenden Anteil an einer menschenwürdigen Gestaltung unserer Gesellschaft haben können und sollen. Wie stehen Sie dazu?


Jürgen Fried: Diese Sichtweise teile ich. Insoweit stellt die kulturelle Entwicklung unserer Stadt auch einen wichtigen Bestandteil für den Strukturwandel in Neunkirchen dar. Für diesen „Wandel durch Kultur“ haben wir zunächst die entsprechende Infrastruktur geschaffen durch zwei neue Kulturzentren in der Stadt:
Zum einen das Kulturzentrum KULT, in dem es vor allen Dingen um Bildung und Kunst geht. Unter einem Dach befinden sich hier die Volkshochschule, die Musikschule, die Musicalschule, die neue Stadtbibliothek, das Kinder- und Jugendatelier, die städtische Galerie und das Museum sowie eine Probebühne.

Und das zweite Kulturzentrum?

Jürgen Fried:
Das zweite Kulturzentrum besteht aus zwei Veranstaltungshallen, nämlich die Stummsche Reithalle für Kabarett, Kleinkunst usw., sowie die Neue Gebläsehalle, als Theater- und Veranstaltungshalle. Diese Halle fasst bis zu 2.000 Zuschauerinnen und Zuschauer und ist an jedem zweiten Tag des Jahres vermietet. Im Übrigen wurde sie im Jahr 2015 durch die Stiftung „Lebendige Stadt“ in Berlin als vorbildliches öffentliches Bauprojekt ausgezeichnet. Dies ist aber ja nur der infrastrukturelle Rahmen.


Wie die inhaltliche Kulturförderung in Neunkirchen im Einzelnen aussieht und welche Auswirkungen sie auf die Entwicklung Neunkirchens hat, dazu mehr im zweiten Teil des Interviews in der kommenden Woche.

Zu Teil 2 des Interviews


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