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Mehr Kultur für die Stadt

Interview mit Oberbürgermeister Jürgen Fried - Teil 2

Der Einsatz von Kultur gilt in Neunkirchen als treibende Kraft in der Stadtentwicklung. Diese Ausrichtung findet sogar bundesweit Beachtung. Im zweiten Teil des Interviews geht es um die konkrete Kulturförderung und ihre Bedeutung für die Stadt.

Herr Fried. Wir haben über die Kultur-Infrastruktur, Stichwort Neue Gebläsehalle, KULT, gesprochen. Wie sieht denn die inhaltliche Kulturförderung in Neunkirchen aus?


Jürgen Fried: Bei der inhaltlichen Gestaltung der Kulturarbeit geht es uns zunächst einmal um die Förderung der Basiskultur, nämlich Volkshochschule, Musikschule, Musicalschule, städtische Bibliotheken, Archiv und Unterstützung kulturtreibender Vereine (durch den Kulturverein) und Unternehmen. Dafür ist zum Teil die Neunkircher Kultur GmbH als hundertprozentige Tochter der Stadt zuständig, auch für das Standartprogramm, nämlich Konzerte, Lesungen, Ausstellungen, Theateraufführungen usw.

Sie sagen es, Standartprogramm. Was aber ist gerade in Neunkirchen das Besondere?


Jürgen Fried: Es ging und geht uns auch darum Ausstrahlendes über die Stadtgrenzen hinaus und Identitätsstiftendes in die Stadt zu kreieren. Dies haben wir getan in den Bereichen Musical, Film und Fashion/Design.

Quasi drei Neunkircher Kultur-Leuchttürme?

Jürgen Fried: Wenn Sie so wollen. Seit 15 Jahren gibt es das Musicalprojekt, bestehend aus ca. 100 Mitwirkenden aus der Region, die unter professioneller Leitung, in einem professionellen Rahmen in der Regel Erstaufführungen auf die Bühne bringen. Dieses Projekt ist in der Region einmalig und hat es in die Exzellenzförderung der Landesregierung geschafft. Die Menschen, die sich über Monate diesbezüglich engagieren, wirken auch als Botschafter dafür, dass sich in unserer Stadt kulturell dauerhaft vieles bewegt. Darüber hinaus werden zwei weitere Musicals von uns coproduziert bzw. mitveranstaltet. Das führt dazu, dass in der Regel in jedem Jahr an 20-30 Tagen hier produzierte Musicals laufen. Dies und eine eigene Musicalschule hat uns die Bezeichnung Musicalstadt eingebracht. Zu Recht, wie ich meine.

Das zweite Genre ist der Bereich Film?

Jürgen Fried:
Ja, die Stadt veranstaltet seit 7 Jahren den Günter-Rohrbach-Filmpreis, benannt nach einem gebürtigen Neunkircher und dem wohl wichtigsten deutschen Film- und TV-Produzenten. Die Veranstaltung läuft eine Woche und bringt, zumindest zur Gala, einiges an Glamour in unsere Stadt. Darüber hinaus kümmern wir uns um die Förderung saarländischer Nachwuchsfilmer und sind auch Drehort.

Und wie etabliert sich das Thema Design und Fashion in unserer Stadt?

Jürgen Fried: Das Design- und Fashionevent „Steelecht“ ist relativ neu und hat sich aus verschiedenen Projekten und dem Engagement von Kreativen in der Stadt ergeben. Künstler und Kreative, die deutschland- und teilweise europaweit agieren, kommen aus diesem Anlass in unsere Stadt. Die Veranstaltung hat eine enorme Strahlkraft entwickelt und so etabliert sich gerade das Thema Mode/Design in Neunkirchen.

In diesem Zusammenhang ist auch das neue Kreativzentrum zu sehen, das gerade im ehemaligen Kutscherhaus errichtet wird. Damit schaffen wir Raum für Kreative, die ihrerseits ein kreatives Angebot zur Förderung von denjenigen erarbeiten werden, denen der Zugang zur Kultur ansonsten erschwert ist.

Herr Fried. Das ganze Engagement stößt natürlich auch auf Kritiker, die nicht erkennen, dass die Aktivitäten im Kulturbereich eine treibende Kraft in der Stadtentwicklung sind und identitätsstiftend nach innen und imagebildend nach außen wirken.

Jürgen Fried: Zunächst mal ist dies ja keine Neunkircher Erfindung. Im Ruhrgebiet gehen Kommunen diesen Weg schon seit vielen Jahren. Diese Entwicklung benötigt aber Zeit. Das heißt, dass es Leidenschaft und Überzeugungskraft braucht, dass die wichtigsten politischen Akteure mit im Boot sind und dass einem klar ist, dass ein Wandel in der Mentalität viele Jahre, ja Jahrzehnte dauert. Wir jedenfalls haben deutliche, nachhaltige Signale, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Kunst und Kultur haben auch immer etwas mit Wagnis zu tun. Etwas zu wagen, gehört also dazu.

Vielen Dank für das Gespräch.


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